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Auszug aus einer Wissenschaftl. Arbeit von H. Wenzel, J.G. Wechsler, V. Hutte und H. Ditschuneit
Übergewicht und Fettsucht als "häufigste ernährungsabhängige Erkrankungen" unserer Wohlstandsgesellschaft führen zu erhöhter Morbidität und Mortalität. Daneben sind auch eine Reihe kohlenhydratreicher bzw. fett- und eiweißarmer Reduktionsdiäten zu finden. Als Beispiele sind die Brot-Diät nach Menden (Menden, 1976), die Kartoffel-Diät und die Ying-Yang-Diät nach Oshawa zu nennen. Als historische Behandlungsweise hat sich die Schrothkur bis heute einen festen Platz erhalten.
Die Schrothkur wurde in Schlesien über viele Jahrzehnte bis zum 2. Weltkrieg fortgeführt. Im Jahre 1949 wurde sie in Oberstaufen / Allgäu durch Dr. med. Hermann Brosig neubegründet. Neben der diätetischen Komponente wurde im Konzept der Schrothkur die physikalisch-hydrotherapeutische Maßnahme, die "Schroth' sche Schwitzpackung" beibehalten.
Wir haben im Rahmen einer klinisch kontrollierten Studie den Einfluß der Schrothkur auf Gewichtsverhalten und Stoffwechselparameter untersucht.
ERGEBNISSE: Verträglichkeit: Die Behandlung wurde von allen Patienten bis zum Ende durchgeführt und als gut bezeichnet. In keinem Fall war ein Abbruch der Behandlung notwendig. Medikamentöse Behandlung (Ausgleich) war nicht erforderlich. Trotz der etwas einseitigen Zusammensetzung der Diät wurde sie von allen Patienten konsequent eingehalten und kann als akzeptabel angesehen werden. Nach dem 2. bzw. 3. Tag gaben alle Behandelten fehlendes Hungergefühl an.
Körpergewicht: Das Körpergewicht wurde bei den Frauen während der Behandlung von 106,7 kg plus/minus 8,2 kg auf 95,8 kg plus/minus 8,3 kg reduziert. Damit betrug der durchschnittliche Gewichtsverlust in 21 Tagen 11,2 kg plus/minus 0,8 kg.
Blutdruck: Systolischer und diastolischer Blutdruck (Tab. 3) fielen während der Behandlung stark signifikant von durchschnittlich 144/92 mm Hg auf 117/71 mm Hg ab.
Laborwerte: Die Harnsäure (Tab. 4) stieg in der ersten Behandlungswoche an. Keratininwerte (Tab. 4) zeigten im Behandlungszeitraum praktisch keine Veränderungen. Ebenso blieben das Serum-Kalium, das Gesamteiweiß und das Serum-Albumin (Tab. 4) während des Behandlungszeit- raumes ohne signifikante Veränderungen. Das Gesamtcholesterin fiel von der 1. bis zur 3. Woche statisch signifikant von 185 plus / minus 11,7 mg % auf 152 plus / minus 7,9 mg % ab. Bei der prozentualen Verteilung des HDL-, LDL- und VLDL-Cholesterins zeigte sich ein deutlicher Anstieg des HDL-Cholesterins, ein Abfall des LDL-Cholesterins und ein Abfall des VLDL-Cholesterins von 66,9 % auf 62,8 % des Gesamtcholesterins.
Diskussion: Unter der extrem hypokalorischen Schrothkur konnten ausgezeichnete Gewichtsverluste verzeichnet werden, die im Vergleich zu totalem und modifiziertem Fasten (Ditschuneit 1976, Wechsler 1980) keine Unterschiede feststellen lassen. Gamble hatte bereits 1946 gezeigt, daß die Gabe von 100 g KH gegenüber Nulldiät einen signifikant proteinsparenden Effekt bewirkt. Die Senkung eines erhöhten Cholesterins, das bei 19 bis 37 % der Adipösen gefunden wird, gilt als wichtiger Beitrag zur Verminderung eines atherosklerotischen Risikos. Der relative HDL-Anstieg ist möglicherweise durch die gleichzeitige Alkoholzufuhr induziert.
ZUSAMMENFASSUNG Die Schrothkur bietet jedoch ein abwechslungsreiches Gesamtkonzept und erfordert durch die physikalischen Therapiemaßnahmen individuelle Betreuung, die zu einer hohen Akzeptanz der Therapie führt. Durch signifikante Senkung des Blutdrucks, Abfall des Gesamtcholesterins, Anstieg des HDL- und Senkung des LDL-Cholesterins kann die Schrothkur zu einer bedeutenden Verringerung des antherosklerotischen Risikos führen. Sie rechtfertigt damit ihre Stellung neben anderen Therapiemöglichkeiten und stellt unter ärztlicher Kontrolle eine Bereicherung im Spektrum der Adipostiastherapien dar.
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